Bildverarbeitung

„Das neue SDK macht auch ­Industriekunden die leistungs­fähigsten Sensoren zugänglich“

Interview mit Yasuo Baba, Director Digital Imaging, Sony Europe

13.04.2021 - SDKs für Consumer-Kameras erleichtern deren Einsatz auch in der Industrie erheblich. Dies ist ein ­weiterer Schritt von Sony, den industriellen Sektor neben Block­kameras zunehmend auch mit den High-End-Profikameras der Alpha-Serie zu erschließen, die sonst vor allem bei Fotografen und Journalisten zum Einsatz kommen. David Löh, Chefredakteur der inspect, unterhielt sich mit Yasuo Baba, ­Director Digital Imaging bei Sony Europe, über den Nutzen dieser Kameras für industrielle Anwender.

inspect: Herr Baba, Sie wollen mit den Profikameras der Alpha-Serie unter anderem in das Segment der industriellen Anwendungen vorstoßen. Warum?
Yasuo Baba: Lassen Sie mich ein wenig ausholen: Sony als Konzern ist seit Langem auch im industriellen Bereich sehr erfolgreich. Beispielsweise entwickelt und produziert die Sensorsparte „Image Sensing Solutions“ (ISS) Bildsensoren, die in industriellen Blockkameras zum Einsatz kommen. Es ist nun aber so, dass die Consumer Division auch Kameras für Profifotografen entwickelt und vor knapp drei Jahren haben wir gemerkt, dass diese Kameras auch in vielen industriellen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen, weil sie beispielsweise sehr viele Bilder pro Sekunde erstellen können – die Alpha 9 Mark 2 beispielsweise schafft 20 Bilder pro Sekunde. Darum hat Sony sich dafür entschieden, in der Imaging Division eine Digital-Imaging-Abteilung aufzubauen, deren Europadirektor ich bin. Und wir haben im Jahr 2020 ein SDK für unsere Alphakameras veröffentlicht, das sich speziell an die B2B-Kunden, wie Systemintegratoren, Industrieanwender oder Drohnenhersteller, richtet. Es unterstützt beispielsweise Multi-Kamera-Konfigurationen.

inspect: Warum sollte sich ein Anwender in der Automatisierung für eine Alpha-Vollformatkamera entscheiden anstatt für die industrielle Blockkamera, die ebenfalls auf Sony-Sensoren setzt?
Baba: Zunächst einmal muss ich sagen, dass die Kosten für eine Profikamera meist höher sind als für eine Blockkamera. Das liegt vor allem daran, dass die Profikameras viele Funktionen haben, die nicht jeder Industriekunde benötigt. Auf diese Zielgruppe haben wir es aber auch gar nicht abgesehen.

Auf der anderen Seite haben wir aber auch Industriekunden, denen die Performance der Sensoren in den Blockkameras nicht ausreicht. Denn hier kommt nicht die neueste Technik zum Einsatz, weil es in der Industrie auf eine lange Lebensdauer ankommt und auch auf Langzeitsupport. Die Produkte werden deshalb logischerweise nicht so oft aktualisiert, wie das auf dem Consumermarkt der Fall ist.

Die Veröffentlichung des neuen SDKs erleichtert es nun Industriekunden, die neuesten Funktionen und die leistungsfähigsten Sensoren zu nutzen. Zuvor mussten diese oder deren Integratoren noch auf SDKs von Drittherstellern zurückgreifen oder gar eigene Lösung entwickeln. Diesen Umweg ersparen wir unseren Kunden nun.

inspect: Welchen Vorteil haben die professionellen Kameras gegenüber herkömmlichen industriellen Kameras?
Baba: In unsere Alpha-Serie bauen wir stets die allerneueste Technik ein, wodurch wir Kameras mit 61 Megapixelsensoren haben und welche, die auch bei sehr schlechten Lichtverhältnissen sehr gute Ergebnisse erzielen und gemessen an der Leistung sehr klein sind und wenig Energie verbrauchen. Und das ist für die Industrieanwender eben auch sehr wichtig, etwa bei Drohnenherstellern.

inspect: In welchen industriellen Anwendungen sehen Sie die größten Vorteile der Alpha-Serie gegenüber anderen Industrie­kameras?
Baba: In der Automobilindustrie sind bereits relativ viele Profikameras von uns und den Mitbewerbern im Einsatz. In aller Regel ist das von außen allerdings nicht sichtbar, weil sie in die Qualitätssicherungssysteme integriert werden. Denn diese benötigen oftmals die Funktionen, die die eigentlichen Industrie­kameras noch nicht bieten, etwa 61 Megapixel und 20 Bilder pro Sekunde bei einer herausragenden Bildqualität.

Aber auch in Blitzern zum Beispiel kommen professionelle Sony-Kameras zum Einsatz, weil sich hier die hohe Bildfrequenz und dem schnellen Autofokus perfekt eignen, um schnell vorbeifahrende Autos zu identifizieren.

inspect: Was sind die nächsten Schritte der Digital-Imaging-Abteilung?
Baba: Wir wollen unseren Marktanteil stetig ausbauen. Hauptsächlich geht es uns aber darum, dass unsere SDKs immer weiter verbreitet werden unter den B2B-Kunden. Wobei wir mit der aktuellen Entwicklung schon sehr, sehr zufrieden sind. Dabei konnten wir schon viele Industriekunden gewinnen, die sich für unsere Systeme entschieden haben und so für die nächsten Jahre dabeibleiben werden.

inspect: Inwiefern machen Sie der Image-­Sensing-Solutions-Division von Sony denn durch die Aktivitäten in der Industrie Konkurrenz?
Baba: Wie erweitern die Anwendungen von Sony-Kameras, machen aber der eigenen Division keine Konkurrenz. Man könnte sagen, wir bauen den Marktanteil von Sony insgesamt in der Industrie aus. Übrigens auch dadurch, dass wir eng mit den Kollegen von Image Sensing Solutions (ISS) zusammenarbeiten, etwa wenn ein Auftrag bei den Kollegen einging, dabei aber keine Systemintegration nötig ist. Dann führen wir diesen aus. Genauso ist es umgekehrt, wenn wir Anfragen erhalten oder auf Messen Anwender kennenlernen, die eher zu ISS passen.

Und wenn wir doch irgendwo Marktanteile übernehmen, dann von unseren Mitbewerbern wie Canon oder Nikon, die beide bereits seit zwei Jahrzehnten in diesem Bereich unterwegs sind.

inspect: Welche länderspezifischen Schwerpunkte hat Ihr Geschäft derzeit?
Baba: Der größte Markt ist Deutschland, darin insbesondere die Automobilindustrie. Aber wir haben auch viel Erfolg in den Ost- und Südost-europäischen Ländern, wo in den letzten Jahren viele Industrieparks und Start-ups entstanden sind. Darunter Polen und Tschechien.

Autor
David Löh, Chefredakteur der inspect

 

Technik im Detail

Software Development Kit für Sony-Alpha-Kameras in der Industrie

Die Imaging-Sparte von Sony hat eine neue Version des Software Development Kits (SDK) für B2B-Systementwickler auf den Markt gebracht, die in Bereichen wie intelligente Transportsysteme (ITS), Sicherheit, Industrie und Drohnen arbeiten.

Das neue SDK ermöglicht es Unternehmen, die Empfindlichkeit, Auflösung, Geschwindigkeit, Größe, Objektivauswahl und die niedrigeren Kosten einer spiegellosen Vollformatkamera mit der Programmierbarkeit und den Multikamerasteuerungsfunktionen eines Industriemoduls zu kombinieren.

Das SDK bietet mehrere wichtige Verbesserungen, darunter Erweiterungen der Anwendungsbibliothek und Unterstützung für den Multikamerabetrieb – eine Branchenneuheit für Vollformatkameras. Zusätzlich zum SDK kündigt die Imaging-Division von Sony Europe auch eine Website-Ressource (www.sony.eu/businesssolutions) für ihre B2B-Imaging-Kunden an, um diese bei der Entwicklung von Imaging-Anwendungen besser zu unterstützen. Die Lösung ist für den Einsatz mit der preisgekrönten Alpha-Reihe professioneller ­spiegelloser Vollformatkameras von Sony vorgesehen.

Spiegellose Vollformatkameras sind leichter, schneller, preiswerter und haben eine ­bessere Objektivauswahl als ihre industriellen Pendants. Sie verwenden außerdem einen größeren (35 mm) Sensor, der die Sensorfläche gegenüber APS-C-Kameras verdoppelt und die Fläche um mehr als das 7-fache gegenüber einer Industriekamera mit einem 1-Zoll-Sensor vergrößert. Dadurch kann die Auflösung steigen, ohne die Pixel­größe und die Empfindlichkeit zu verringern.

Kontakt

Sony Europe B.V., Zweigniederlassung Deutschland

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